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Über 200 Jahre Erfahrung für Wald und Holz

Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald

Foto des Forstamtes Arnsberg und einer historischen Karte
Staatlich war das Forstamt schon immer. Aber noch nie war es - entgegen der landläufigen Meinung über staatliche Institutionen - träge und verschlafen. Als 1803 Ludewig, Landgraf von Hessen-Darmstadt, neuer Landesherr im Kurkölner Sauerland wurde, kam die Verwaltung und Nutzung der Wälder unter staatliche Kontrolle. Und das tat nicht nur dem Wald gut sondern auch der Wirtschaft. Nachhaltigkeit der Waldnutzung ist das Wesensmerkmal deutscher Forstwirtschaft seit dem 18. Jahrhundert. Die forstlichen Reformen und Veränderungen durch den Landesherrn schafften die Grundlage für die Nachhaltigkeit nun auch im Arnsberger Wald.
Bilder aus dem Wald
Seit dem 01. Januar 2007 ist nun das ehemalige staatliche Forstamt Arnsberg zum Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald geworden. Die gesetzliche Zuständigkeit für die rund 23.600 ha Wald in den Städten Arnsberg und Sundern ging zeitgleich auf das Forstamt Oberes Sauerland (ehemals Forstamt Schmallenberg) über. Die gesetzliche Zuständigkeit für den Staatswald allerdings bleibt beim Lehr- und Versuchsforstamt. Es bewirtschaftet den Staatswald in Arnsberg, Sundern und in den angrenzenden Städten und Gemeinden Meschede, Warstein, Ense, Menden und Möhnesee naturnah. Die insgesamt 10.000 Hektar sind in 5 Förstereien unterteilt.

Die Förster als Ihre direkten Ansprechpartner finden Sie hier.

Im Jahre 2006 sind im Staatswald rund 60.000 cbm Holz eingeschlagen und verkauft worden mit einem Umsatz von rd. 3 Mio. Euro. Sägewerke, Holzhandlungen, Spanplattenwerke, Furnierwerke und Zellstoffwerke sind die Kunden, die nicht genug bekommen können vom nachwachsenden Rohstoff Holz.

Das Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald hat fünf weitere Arbeitsbereiche

Fotos aus der Waldarbeitsschule
Das Forstliche Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik (FBZ, ehemals Waldarbeitsschule) bildet junge Menschen zu Fachkräften für den Wald aus. Neben schulischem Blockunterricht für angehende Forstwirte und Forstwirtinnen werden auch Weiterbildungslehrgänge zu Forstwirtschaftsmeistern, Zapfenpflückern oder Maschinenführern angeboten. Aber auch das Holzrücken mit dem Pferd kann hier erlernt werden. Darüber hinaus betreut und organisiert das FBZ Seminare und Lehrgänge für forstliche Interessierte und erarbeitet Grundlagen für Tarifwesen, Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit.

Fotos aus der Forstgenbank
Die >> Beratungsstelle für Forstvermehrungsgut, Waldbau, Waldinventuren (ehemals Forstgenbank) erarbeitet und erprobt Leitlinien für eine zukunftsorientierte Waldwirtschaft. Sie entwickelt methodische Grundlagen für Inventuren und weitere Fachplanungen für den Wald. Die offiziellen Waldwertrichtlinien werden hier aktualisiert. Neu ist des Forschungsprojekt "Virtueller Wald", das hier gemeinsam mit verschiedenen Projektpartnern vorangetrieben wird. Und nicht zuletzt: Die Beratung für Waldbesitz, Baumschulen, Wissenschaft und interessierte Laien zum Thema Forstliches Vermehrungsgut! Dazu gehören Themen wie Ausweisung anerkannter Saatgutbestände, Beerntung der Bäume, Lagerung des Saatgutes, Anzucht und Handel. Besonders wichtig in der heutigen Zeit: Hier wird geforscht zu standortgerechten Baumartenwahl - unter Berücksichtigung eines möglichen Klimawandels - und zu weiteren aktuellen Themen wie Energieholznutzung und schnellwachsende Baumarten.

Fotos von Rotwild und Wildschwein
Die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung setzt sich für den Ausgleich der Ansprüche des Menschen und der Lebensansprüche des Wildes ein. Sie untersucht die Lebens- und Umweltbedingungen des Wildes, Wildkrankheiten und die Möglichkeiten ihrer Bekämpfung (Blauzungenkrankheit, Schweinepest). Sie untersucht auch Möglichkeiten zur Verhütung und Verminderung von Wildschäden in Land- und Forstwirtschaft und im Gartenbau.
Unvermindert aktuelle Anliegen der Forschungsstelle sind Entwicklung von Lösungen für die Praxis, Aus- und Fortbildung für Jäger, Berufsjäger und Forstleute, Verständnis wecken in der Bevölkerung für die Lebensbedürfnisse des Wildes und die Bedeutung der Jagd.

Fotos alte Karte und Veröffentlichung
Die Forstliche Dokumentationsstelle sichert und archiviert forstliche und forstgeschichtliche Dokumente aller Art. Sie stellt vorhandene Materialien für die Mitarbeiter des Landesbetriebes, aber auch für die Forstpraxis und weitere Interessenten bereit. Über das Internet werden aktuelle Ergebnisse der Ressortforschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Auch die Redaktion von forstlichen Publikationen - wie der Schriftenreihe der Landesforstverwaltung - gehört zu ihren Aufgaben.

Fotos aus dem Jugendwaldheim
Das >> Jugendwaldheim Obereimer bietet optimale Voraussetzungen für einen spannenden und erlebnisreichen Aufenthalt für Kinder (ab 4. Klasse), Jugendliche und Erwachsene. Der Lebensraum Wald kann nur mit Kopf, Herz und Hand erlebt und begriffen werden. Betreut durch speziell geschulte Försterinnen und Förster findet jeder schnell seinen individuellen Zugang zum Wald: Bei Exkursionen, in Lehrgängen, spielerisch oder bei der Ausübung ganz praktischer Tätigkeiten für Waldpflege, Naturschutz und Jagd.

Fotos aus dem Wald
Der Wald gehört verschiedenen, einzelnen Eigentümern: dem Land Nordrhein-Westfalen, den umliegenden Städten und Gemeinden und privaten Waldbesitzern. Jeder Waldbesitzer leistet mit seinem Eigentum einen wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit: der Wald dient neben der Versorgung der Menschen mit Holz auch deren Erholung und erfüllt besondere Schutzfunktionen.

Ein großer Teil der Privatwaldbesitzer, die keine eigenen forstlichen Angestellten haben, sind Mitglieder in Forstbetriebsgemeinschaften, deren Vorläufer Waldbauvereine waren, die es bereits 1920 in Arnsberg gab. Die Forstbetriebsgemeinschaften haben Betriebsleitungs- und Beförsterungsverträge mit dem zuständigen Forstamt geschlossen und nutzen so die fachgerechte Betreuung ihres Waldes durch staatliche Förster. Rat und Anleitung für Einzelvorhaben sind kostenlos. Aufgaben der tätigen Mithilfe und andere Dienstleistungen erfolgen gegen Entgelt. Im Jahr 2006 wurden im betreuten Privatwald des ehemaligen Forstamtes Arnsberg rd. 84.000 cbm Holz geerntet und verkauft - eine "Menge Holz". Der Umsatz betrug rd. 4,2 Mio. Euro.
Foto eines Sika-Hirsches
Im Wald finden sich jedoch nicht nur Bäume, Förster und Forstarbeiter. Neben Rot-, Reh- und Schwarzwild kommt im Arnsberger Wald auch die asiatische Hirschart "Sika" vor. Im Staatswald sind 18 Jagdbezirke mit einer Fläche von 2.800 ha verpachtet. Darüber hinaus werden jährlich 450 Gäste an der Staatsjagd beteiligt. Ob Einzeljagd, koordinierte Ansitzjagd oder großräumige Bewegungsjagd, die Organisation und Durchführung liegt in den guten Händen des Lehr- und Versuchsforstamtes. Genau wie die jährliche Vermarktung von ca. 10.000 kg Wildbret.
Die bewegte Geschichte des Lehr- und Versuchsforstamtes Arnsberger Wald gibt Mut für die Zukunft: 1815 fiel das Sauerland an Preußen. Aus der "Großherzoglich-Hessischen" wurde die "Königlich-Preußische Oberförsterei". Mit der Abschaffung der Monarchie entfiel 1918 das Adjektiv "königlich". 1934 wurden die Oberförsterei "Preußisches Forstamt" und nach 1945 "Staatliches Forstamt". 1970 wurde im Zuge der Forstreform das Staatliche Forstamt Rumbeck dem Forstamt Obereimer und das Forstamt Neheim dem Landwirtschaftskammer-Forstamt Arnsberg zugeschlagen. Die Forstreform im Jahr 1995 vereinigte schließlich beide Forstämter zum "Staatlichen Forstamt Arnsberg". Seit 2005 ist das Forstamt Außenstelle des Landesbetriebes Wald und Holz NRW und seit 2007 das Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald.
Fotos zum Orkan Kyrill und der Aufbereitung des Holzes
Der Lebendigkeit des Waldes konnten alle politischen und gesellschaftlichen Veränderungen nichts anhaben. Doch wie sieht es mit den Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den Wald aus? Welche Auswirkungen hat der Orkan Kyrill vom 18. Januar 2007? Für die Waldbesitzer ist der Sturm eine Katastrophe, unter deren Folgen sie noch lange leiden werden. Die Natur ficht der Sturm nicht an. Auf den Kahlflächen im Wald wird sich eine üppige Flora - auch Pioniervegetation genannt - einstellen, die auf ihrem langsamen Weg zur späteren Waldgesellschaft einer Vielzahl von wechselnden Lebensgemeinschaften aus Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Sicher ist: Auch ohne Eingriff des Menschen würde irgendwann wieder Wald auf den Flächen entstehen.

Im Alt-Forstamt Arnsberg sind durch den Orkan Kyrill nach letzten Schätzungen über 1,2 Mio. cbm Holz gebrochen oder geworfen worden. Ca. 90 % sind Fichten. Die Sturmholzmenge entspricht dem Acht- bis Neunfachen des nachhaltigen jährlichen Holzeinschlags. Viele Forstbetriebe sind über Jahrzehnte von den Wirkungen des Sturmes wirtschaftlich betroffen. Der Fichteneinschlag wird in den nächsten Jahren geringer ausfallen, die Versorgung der Sägewerke mit frischem Holz wird schwieriger werden.
Neue Herausforderungen werden das 1585 gebaute Forstamtsgebäude des Rittergutes "Obereimer" nicht erschüttern. Schließlich haben seine meterdicken Außenmauern auch schon vor den Kanonen im 30jährigen Krieg geschützt. Die Waldwege wurden geräumt, das Sturmholz wird aufgearbeitet und verkauft - eine Arbeit, die jetzt im Jahr 2008 beendet sein wird.
Foto eines Waldes
Krisen sind Chancen! Optimistisch blickt Günter Dame, Leiter des Lehr- und Versuchsforstamtes Arnsberger Wald, in die Zukunft. Neuer Wald wird mit Laubholz und dem unverzichtbaren Nadelholz angepflanzt oder naturverjüngt. Der eingeschlagene Weg naturnaher Waldwirtschaft vermittelt zwischen wirtschaftlichen und naturschützerischen Ansprüchen an den Wald und wird weiter verfolgt. Baumartenwechsel soll zur Krisenfestigkeit beitragen. Für diese Form der Waldbewirtschaftung braucht man gut ausgebildete Waldarbeiter, Förster und Forstunternehmer. Die motivierten Fachleute praktizieren die Holzernte umweltschonend. Eine "nachhaltige" Kommunikation im Netzwerk Wald und Holz Arnsberg hilft, auf die Wünsche beteiligter Partner und Kunden schnell und flexibel zu reagieren.

Man könnte es "intelligente Waldwirtschaft" nennen. Oder: das Ergebnis einer über 200jährigen Erfahrung im Einsatz für Wald und Holz.

Im Rahmen des Countdown 2010-Prozesses hat sich der Landesbetrieb Wald und Holz außerdem verpflichtet, spürbar zur Verbesserung der biologischen Vielfalt beizutragen. Er tut dies unter anderem mit der Ausweisung von 500 ha Kyrillflächen, von denen ein Großteil im Staatswald des Lehr- und Versuchsforstamtes Arnsberger Wald liegt. Diese Flächen werden nicht wieder aufgeforstet. Stattdessen soll hier der Prozess der natürlichen Wiederbewaldung wissenschaftlich begleitet und dokumentiert werden.

Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald

Logo des Landesbetriebes Wald und Holz NRW
    
Gründungs-
jahr
1803

Anschrift

Obereimer 13
59821 Arnsberg

Mitarbeiter

100 Telefon 02931 7866-100

Umsatz

k. A. 

Telefax

02931 7866-122

Ansprech-
partner 

Günter Dame

E-Mail

arnsberger-wald@wald-und-holz.nrw.de
   

Internet

http://www.wald-und-holz.nrw.de/